30. August 2026 · 5 Minuten

Warum diese Seite kein Cookie-Banner hat

Das Banner ist keine Vorschrift. Es ist die Folge einer Entscheidung, die die meisten Betriebe nie bewusst getroffen haben. Was dahintersteckt und was es kostet.

Du hast es heute wahrscheinlich schon zwanzigmal weggeklickt. Das Fenster, das sich über die Seite legt, bevor du weißt, ob du überhaupt richtig bist. „Akzeptieren", „Einstellungen", irgendwo klein „Ablehnen", manchmal auch nicht.

Auf dieser Seite kommt keins. Nicht, weil ich mutig bin oder etwas ignoriere. Sondern weil es hier nichts gibt, wofür ich dich um Erlaubnis fragen müsste.

Das Banner ist nicht die Vorschrift

Das ist der Punkt, an dem die meisten falsch abbiegen. Es gibt kein Gesetz, das Cookie-Banner vorschreibt. Es gibt ein Gesetz, das sagt: Wenn du etwas auf dem Gerät deines Besuchers speicherst oder ausliest, das für den Betrieb der Seite nicht zwingend nötig ist, brauchst du seine Einwilligung. So steht es im Paragraf 25 des Digitale-Dienste-Gesetzes.

Das Banner ist also nicht die Pflicht. Es ist die Folge einer Entscheidung, die vorher gefallen ist. Nämlich der Entscheidung, Dinge einzubauen, die genau das tun.

Der Unterschied klingt nach Wortklauberei, ist aber der ganze Hebel. Wer beim Banner ansetzt, verwaltet ein Problem. Wer eine Stufe früher ansetzt, hat es nicht.

Was in einer normalen Betriebsseite steckt

Wenn ich mir Seiten kleiner Betriebe ansehe, ist es fast immer dieselbe Handvoll Dinge, die das Banner nötig macht:

  • Google Analytics. Zählt Besucher, setzt Kennungen, meldet an Google.
  • Google Fonts, direkt eingebunden. Bei jedem Aufruf geht die IP-Adresse
  • deines Besuchers an einen Server von Google. Genau dafür sind vor ein paar Jahren reihenweise Abmahnschreiben verschickt worden.

  • Google Maps als eingebettete Karte. Lädt beim Öffnen der Seite mit, ob
  • jemand die Karte anschaut oder nicht.

  • Ein YouTube-Video, direkt eingebettet.
  • reCAPTCHA am Kontaktformular.
  • Ein Chatfenster unten rechts, das nie jemand benutzt.
  • Diverse Plugins, die der Betrieb nie bewusst installiert hat, weil sie im
  • Theme mitkamen.

Und jetzt die Frage, die selten jemand stellt: Wie viel davon braucht ein Malerbetrieb mit vier Leuten eigentlich?

Die Karte ist eine Adresse und ein Link, der die Karten-App auf dem Telefon öffnet. Das ist für den Besucher sogar bequemer. Die Schriften kann man herunterladen und auf den eigenen Server legen, das dauert zehn Minuten und ist danach für immer erledigt. Das Formular kommt ohne fremden Spamschutz aus, wenn man ein unsichtbares Feld einbaut, das nur Maschinen ausfüllen. Und das Chatfenster war nie eine Anforderung, sondern ein Häkchen, das jemand gesetzt hat.

Was übrig bleibt, ist meistens Analytics. Und darüber kann man reden, siehe unten.

Was das Banner wirklich kostet

Über den rechtlichen Teil reden alle. Über den geschäftlichen selten.

Das Banner ist das Erste, was dein Besucher von dir sieht. Bevor er weiß, was du machst, muss er eine Entscheidung treffen, die ihn nicht interessiert. Auf dem Handy verdeckt es oft die halbe Seite. Wer über eine Google-Suche kommt, unentschlossen ist und drei Betriebe vergleicht, springt an dieser Stelle manchmal einfach ab.

Wie oft, weiß ich nicht, und jeder, der dir dazu eine genaue Zahl nennt, hat sie sich ausgedacht. Aber die Richtung ist eindeutig: Jede Hürde vor dem Inhalt kostet Besucher, und diese hier steht ganz vorne.

Dazu kommt der stille Nebeneffekt. Ein Cookie-Banner sagt: Hier wird etwas mit dir gemacht, worüber wir reden müssen. Das ist ein seltsamer erster Satz für einen Handwerksbetrieb, der einfach nur Anfragen möchte.

Was ich stattdessen gemacht habe

Auf dieser Seite:

  • Keine Cookies. Nicht einen.
  • Schriften liegen als Dateien auf meinem eigenen Server.
  • Keine eingebettete Karte, kein eingebettetes Video, kein Chatfenster.
  • Das Kontaktformular läuft auf meinem eigenen Server, ohne fremden Dienst.
  • Kein Redaktionssystem, also auch keine Plugins, die heimlich etwas nachladen.

Es gibt genau eine Ausnahme, und ich schreibe sie hin, weil sonst der ganze Artikel unehrlich wäre: Auf den Seiten, wo man sich für ein kostenloses Werkzeug eintragen kann, lädt das Anmeldeformular meines Newsletter-Anbieters nach. Das ist ein Aufruf an einen fremden Server, er steht in der Datenschutzerklärung, und er ist der Grund, warum dieses Formular nicht auf jeder Seite steht, sondern nur dort, wo es hingehört.

Wo die Grenze liegt

Zwei Sätze, die ich mir nicht spare.

Erstens: Das ist kein Rechtsrat. Ich bin kein Anwalt und darf keiner sein. Ich beschreibe, wie ich eine Seite baue, damit die Frage nach der Einwilligung gar nicht erst aufkommt. Ob deine konkrete Seite ein Banner braucht, beurteilt im Zweifel jemand mit einer Zulassung.

Zweitens: Manchmal geht es nicht ohne. Wenn du wirklich auswerten willst, woher deine Besucher kommen, wenn du Anzeigen schaltest und den Erfolg messen musst, wenn dein Buchungssystem eine Sitzung braucht, dann brauchst du eine Einwilligung und damit ein Banner. Dann sollte es aber ein ordentliches sein, mit einem gleich sichtbaren Ablehnen-Knopf, und nicht die Variante, bei der Ablehnen drei Klicks tief versteckt liegt.

Für die Auswertung gibt es übrigens einen Mittelweg: Es gibt Werkzeuge, die ohne Cookies und ohne personenbezogene Daten zählen. Damit weißt du, welche Seiten gelesen werden, ohne jemanden fragen zu müssen. Weniger Details als bei Analytics, aber für einen Betrieb mit vier Leuten reicht es locker.

Die eigentliche Frage

Sie lautet nicht „brauche ich ein Banner", sondern: Was habe ich eigentlich alles eingebaut, und wozu?

Bei den meisten Betriebsseiten ist die ehrliche Antwort auf das Wozu: Weiß ich nicht, das war schon drin. Und alles, was drin ist, weil es schon drin war, kann raus.

Wenn du wissen willst, was auf deiner Seite so alles mitlädt, öffne sie im Browser, drücke F12, geh auf den Reiter Netzwerk und lade neu. Da steht dann jeder Server, mit dem deine Besucher reden, ohne es zu ahnen. Für die meisten ist das ein aufschlussreicher Nachmittag.

Und wenn du dabei keine Lust auf F12 hast: Genau das schaue ich mir beim Website-Check für dich an.


Genug gelesen?

Im Werkzeugkasten liegen Werkzeuge, die genau solche Arbeit abnehmen. Manche kosten nichts.